Legasthenie und Lese- Rechtschreibschwäche

[KM Bek Nr. IV/1a- S 7306/4-4/127 883 (16.11.1999) KMS Nr. IV/1a - S 7306/4 - 4/13 627 (25.02.2000)]

Legasthenie (Lese- Rechtschreibstörung) Lese- Rechtschreibschwäche (LRS)

Ursachen:

  • genetisch bedingt

  • heterogenes Merkmal auf den Chromosomen 15 und 6

  • neurobiologische Ursachen

  • Schwierigkeiten sowohl im sprachlichen Bereich wie auch in visuellen Regionen des Gehirns

  • bei durchschnittlicher Intelligenz

  • 10 - 20 % der Jugendlichen in Mitteleuropa sind betroffen

  • vorübergehende legasthenisches Erscheinungsbild, das unterschiedliche Ursachen haben kann, z.B.:

    • Erkrankung

    • seelische Belastung

    • Schulwechsel

  • im Einschulungsalter sind 7 - 10 % aller Schüler betroffen

Erscheinungsbilder:

  • unterschiedliche Kombinationen von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, der Motorik und der sensorischen Integration

  • Wahrnehmungsfehler z.B. Ketreide statt Getreide

  • Silben- und Lautauslassung oder Silben- und Lauthinzufühung z. B. Schetterlinge statt Schmetterlinge

  • Laut- und Buchstabenzuordnung

  • Wortruinen z. B. shabr statt Sprachbuch

  • Reihenfolgefehler z. B. grene statt gerne

  • Regelfehler

  • trotz zahlreicher orthographischer Fehler lesbar und verständlich

Fördermaßnahmen:

  • Therapie: Wahrnehmungsübungen

  • möglichst vor der Einschulung

  • Förderung innerhalb der Schule möglich

  • häuslicher Fleiß

Leistungsfeststellungen,
Leistungsbewertung:

  • Befreiung von schriftlichen Leistungserhebung, die nur der Feststellung der Rechtschreibkenntnisse dienen (Diktat).

  • Schüler müssen in allen Fächern bei schriftlichen Leistungsfeststellungen einen Zeitzuschlag bis zur Hälfte der Zeit erhalten.

  • für Deutsch gilt: es entfällt die Bewertung von Lesen und Rechtschreiben

  • MUSS: Hinweis in der Zeugnisbemerkung

  • Es liegt im pädagogischen Ermessen der Lehrkraft die Leistungserhebung an den Schüler anzupassen.

  • Schriftliche Probearbeiten im Rechtschreiben können ohne ziffernmäßige Benotung verbal beurteilt werden.

  • Schüler können in allen Fächern bei schriftlichen Leistungsfeststellungen einen Zeitzuschlag bis zur Hälfte der Zeit erhalten.

  • für Deutsch gilt: Bewertung in Lesen und Rechtschreiben kann zurückhaltend gewichtet werden

  • KANN: Hinweis in der Zeugnisbemerkung

Gutachten:

  • Facharzt für Kinder- und Jugendpsychatrie in Zusammenarbeit mit einem Schulpsychologen

  • Schulpsychologe (in Zusammenarbeit mit Beratungslehrer)

Vorrücken / Übertritt:

Über das Vorrücken bei nicht anforderungsgemäßen Leistungen in Deutsch und in den Fremdsprachen entscheidet die Schule in pädagogischer Verantwortung.