Französisch an der Ritter-Wirnt-Schule

Das Fach Französisch führt an der Realschule in Bayern in mehrfacher Hinsicht eine herausgehobene Existenz. Es macht die Wahlpflichtfächergruppe IIIa zu dem Zweig, der den Schülern den breitesten Zugang zu Allgemeinbildung eröffnet, zudem erlernen die Schüler eine Sprache, die ihnen als Sprungbrett in eine weitere romanische Sprache, in das Spanische und Portugiesische etwa, dienen kann, schließlich ist das Französische wesentliches Unterscheidungsmerkmal von Real- und Mittelschule. Auch derjenige, der seine Schullaufbahn nach der Realschule fortsetzen will, ist gut beraten, einen Gedanken an das Erlernen des Französischen zu verschwenden.

../images/arcdetriomphe_300.jpg

Französisch wird in der sechsstufigen Realschule ab der 7.Klasse angeboten, d. h. in den vier Jahren bis zur Prüfung kann man die französische Sprache in ihren Grundzügen – also Grammatik und Wortschatz – erlernen und im Normalfall problemlos darauf aufbauen, sei es, dass man einen Beruf wählt, in dem Französischkenntnisse von Vorteil sind, etwa im Hotelbereich oder in der Reisebranche, sei es, dass man, um es nochmals zu unterstreichen, die Allgemeine Hochschulreife anstreben will.

Die in der Realschule erworbenen Kenntnisse können in das international anerkannte DELF-Sprachzertifikat des französischen Kultusministeriums eingebracht werden und z.B. die Bewerbung in bestimmten auslandsorientierten Berufen fördern oder den Zugang zu einer französischsprachigen Universität erleichtern. Da die Prüfungsaufgaben auf den jeweiligen Niveaus für alle in- und ausländischen Schulen gleich und damit auch vergleichbar sind, soll an dieser Stelle in unbescheidener Weise nicht unerwähnt bleiben, dass es Jahre gab, in denen manche unserer Schülerinnen besser waren als diejenigen benachbarter Gymnasien.

../images/notredame_200.jpg

Mit verschiedenen Aktivitäten wird von der Fachschaft versucht, das Französische attraktiv und lebensnah zu gestalten. Dies betrifft zunächst die Werbung für diese Sprache im Vorfeld der Fächerwahl: Seit mehreren Jahren ist es Usus, das “ France Mobil“ des Institut français in Erlangen für einen Werbevormittag zu gewinnen. Es handelt sich hierbei um junge Lektoren – meist Germanistikstudentinnen nach dem ersten Examen -, die mit einem Lieferwagen durch Nordbayern reisen und allerlei landeskundlichen Krimskrams präsentieren, was den jeweiligen sechsten Klassen immer recht viel Spaß bereitet.

Im Jahre 2012 wurde zusammen mit der Realschule Forchheim, zu deren Französisch-Fachbereich ein traditionell enges Verhältnis besteht, die Idee geboren, am 22.Januar eines jeden Jahres, dem Tag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages, einen Lesewettbewerb mit französischen Texten zu veranstalten. Die Schülerinnen aller vier Französisch-Klassenstufen – dass Schüler sich einen Ruck geben und antreten, ist leider die Ausnahme – lesen hierbei einen selbstgewählten und einen unbekannten, durch eine Jury ausgewählten Text. Der diesjährige Lesewettbewerb fand mit mittlerweile schon fünf teilnehmenden Realschulen in Hirschaid statt. Auch hier sei erwähnt, dass die Ritter-Wirnt-Schule die anderen vier Schulen auf die Plätze verweisen konnte.

Nicht vergessen werden dürfen die Reiseaktivitäten des Fachbereichs. Über lange Jahre hinweg wurde ein Austausch mit einer Schule im Hochsavoy bzw. einem Collège im Zentrum von Grenoble gepflegt. Dies musste vor allem deshalb beendet werden, weil zwischen den Klassenstärken der Franzosen und unseren Lerngruppen ein zahlenmäßiges und daher organisatorisch nicht zu bewältigendes Missverhältnis bestand. Als Interimslösung fuhr man vor 2 Jahren nach Paris, ein reines Sightseeing- und Tourismusprogramm, das ca. die Hälfte aller Schulen, Realschulen und Gymnasien, für die neunten Klassen bereithält.

Mittlerweile war man bereits zwei Mal zu Gast in einer renommierten Sprachenschule im landschaftlich reizvollen Wallonien, d. h. in dem Teil Belgiens, in dem Französisch bzw. die wallonische Variante der französischen Sprache gesprochen wird. Fachbereich und Schulleitung suchen im Moment nach einer stabilen Lösung für zukünftige Frankreichfahrten. Ideal wäre natürlich, wenn man den Austausch wieder in eine Städtepartnerschaft einbinden könnte. Auch eine vom Deutsch-Französischen Jugendwerk geförderte sogenannte Drittortbegegnung wird in Erwägung gezogen. D. h. konkret, dass wir uns mit einer altersmäßig in Frage kommenden französischen Schulklasse an einem „dritten“ Ort, etwa im Elsass, zu schulischen und außerschulischen Aktivitäten treffen würden.

Alles in allem ist das Fach Französisch an der Ritter-Wirnt-Schule, nicht zuletzt aufgrund achtbarer Prüfungsergebnisse über lange Jahre hinweg, fest verankert. Besonders erfreulich ist aus der Sicht des Autors, dass die Schulbesten in der Regel aus dem Französisch-Zweig kommen, wie überhaupt die Französisch-Lerngruppen im Normalfall leistungsfreudig und menschlich sehr angenehm sind.

Hubert Kilgenstein